the departed

"Gimme Shelter", ein Song der Rolling Stones und ein Statement über ausufernde Gewalt in den späten 60ern des 20.Jahrhunderts. Und es ist dieser Song den sich Martin Scorsese auserwählte um einen in die raue Polizei- und Unterwelt Bostons zu schicken. In eine Welt in der Grenzen verschwimmen und ein Katz-und-Maus-Spiel gespielt wird, das genügend Platz zum austoben für jeden lässt.
Da wäre Leonardo DiCaprio der eine Präsenz an den Tag legt, die nicht mehr viel lässt von dem Image, dass dieser Mann nach Titanic hatte. Ein Matt Damon der uns den skrupellosen, aufstiegsbesessenen, möchtegern Machtmensch gibt und dabei über Leichen geht und immer sehen muss, dass er den Kopf wieder aus der Schlinge nehmen kann, die er sich selber umlegt. Ein Mark Wahlberg der es sichtlich genossen haben muss, dass er endlich einmal ungeniert fluchen kann was das Zeug hält und dabei auch noch sympatisch bleibt. Und über allem ein Jack Nicholson, der mit einer Aura des Unantastbaren über dem Geschehen zu thronen scheint und doch eigentlich nichts unternehmen kann um etwas gegen den Lauf des selbigen zu unternehmen.
Alle sind in ihrer Rolle gefangen, können nicht aus ihrer Haut, stecken fest im Kreislauf von Lügen, Bluffen und purer Existenzangst.
Und all das zusammengehalten von einer schnörkellosen Story, die zügig beginnt und nach der Hälfte ein Tempo aufnimmt, das einem vergessen lässt, dass man hier gerade 150min Film ansieht. Wendung auf Wendung folgt genauso schnell, wie die Hauptrollen sich neue Lügen ausdenken müssen und versuchen ihre Haut zu retten.
Abgefilmt von einer unauffälligen Kamera (Michael Ballhaus), untermalt von einem virtuosem Soundtrack, der wieder einmal zeigt, dass es dieser Regisseur wie kaum ein Zweiter in Hollywood versteht Stimmungen durch Bilder und Songs zu erzeugen und all das zusammengehalten von einem Schnitt der klarstellt, dass niemand Parallelmontagen zu erschaffen so in der Lage ist wie Martin Scorsese.
Und dieser alte Mann des ehemals "New American"-Kinos ist wahrlich noch nicht zu alt ist um gute Filme zu drehen. Er kann uns nochimmer eine Welt vor Augen führen, in der man niemandem trauen sollte, in der nichts zählt außer der eigene Vorteil, die gnadenlos zuschlägt, sobald man ihr den Rücken zudreht und in der man bis zur letzten Einstellung nicht sicher ist, wie dieser Film enden wird und wenn man es dann sieht, einem wiedereinmal und abschliessend beweist, dass dieser Film halt wirklich erst dann zu Ende ist, wenn die Leinwand schwarz wird und man liest "a film by Martin Scorsese". Und wann hat das zum letzten Mal so zugetroffen wie in diesem Fall.
Kein Meisterwerk aber ein spannender, astrein gespielter, schnörkelos erzählter und inszinierter Film, der, wäre er von jedem anderen Regisseur gemacht, sicherlich als Meisterwerk gelten würde. So aber ist es "nur" ein Scorsese auf hohem Niveau!
Fazit: wer all das mag, was hier steht, dann unbedingt ansehen!!!
StrangeGuy - 7. Dez, 23:43