Letters from Iwo Jima

Sie sind das, was noch existiert, wenn der jenige, der sie einst schrieb bereits tot und vergessen ist. Sie überdauern Jahrzehnte und konservieren unsere intimsten Gefühle und Sehnsüchte. Sie sind Zeugen unserer Zeit und doch nur eine Momentaufnahme. Und eigentlich sind es doch nur beschriebene Blätter Papier mit unserer Handschrift darauf. Es werden diese Unikate sein, die zum Schluss von den japanischen Soldaten und ihren Schicksalen auf der Pazifikinsel Iwo Jima übrigbleiben und Zeugnis ablegen. Doch bis dahin macht es einem dieser Film und sein Regisseur nicht leicht.
Clint Eastwood hat sich in den letzten Jahren einen ehrenwerten Namen als stiller Beobachter von zwischenmenschlichen Geschichten und Katastrophen gemacht. Er lenkt sein Auge mit sicherem Blick auf diese kleinen Momente, denen ein Zauber inne wohnt. Er zeigt mit dem Finger auf zerstörte und fehlgeleitete Schicksale, die sich von ihrer Umgebung entfremdet haben, und manchmal, ja manchmal gibt er ihnen auch eine zweite Chance.
In "Letters from Iwo Jima" beobachtet er nun also die Charaktere dreier japanischer Soldaten im Angesicht einer Schlacht, die bereits entschieden ist, bevor sie auch nur begann. Vom Nachschub abgeschnitten und mit begrenzten logistischen Mitteln soll eine Insel verteidigt werden, deren militärischer Nutzen so hoch ist, wie die Chance auf Sieg klein. Befehligt von einem General, der früher einst selber in den USA lebte und der nochimmer Erinnerungen aus jener Zeit in seine Briefe an seine Frau malt. Dem bewusst wird, dass es im Angesicht des Todes egal ist, auf welcher Seite man stirbt, solange man dies aus den für sich richtigen Gründe tut. Stirbt man, weil es der Kodex verlangt, oder weil man einsehen muss, dass alles getan wurde um seine Treue zu beweisen. Blindes Gehorsam ist der Anfang vom Ende und nur wer dagegen rebelliert und seinen eigenen Weg wählt, den das Herz vorgibt, wird am Ende gerettet werden, entweder in Erlösung oder gar durch Überleben.
Es geht darum, welchen Weg man bereit ist zu gehen. Ob man akzeptiert oder widerspricht, aufbegehrt oder stillschweigend folgt. Jeder der drei wird seine Entscheidung treffen, jeder muss mit den Konsequenzen leben.
All dies sehen wir aus einer gewissen Distanz, die auch zu einem gewissen Teil daherrührt, dass dieser Film nur im japanischen Original mit Untertitel gezeigt wird. Der Film verbleibt im Spannungsfeld von Dokumentation und Psychogramm. Er gibt uns Personen und versucht sie als Schicksale darzustellen, doch will dies nicht so recht funktionieren. Technisch sicherlich auf allerhöchstem Niveau entstanden und handwerklich wie ein jeder Eastwood brilliant gemacht und doch irgendwie ohne Charaktere die erreichen, die berühren. Erst wenn am Ende all jene Briefe wieder auftauchen, die uns durch die gesamten 140min begleiteten hat man als Zuschauer wieder diese stille emotionale Bindung, die es erreicht, dass wir verstehen, dass hinter jedem Tod ein Schicksal steht, dass hier für eine kleine Ewigkeit bewahrt wurde und es verdient mit Respekt behandelt zu werden.
StrangeGuy - 24. Feb, 00:39